Mein Mitbewohner ist Alkoholiker

14. September 2010 / wg-ratgeber.de

Ist dein Mitbewohner Alkoholiker?Alkoholabhängigkeit ist vermutlich eines der größten Probleme unserer Gesellschaft und es macht im Zweifel auch vor deiner WG nicht halt. Ist dein Mitbewohner Alkoholiker? Oder vermutest du das und weißt nicht, wie du nun handeln sollst? Wir bekommen manchmal besorgniserregende Post zugesandt, in welcher ähnliche Probleme geschildert werden.

Alkohol ist keine Lösung…

Wenn du bei deinem Mitbewohner (oder deiner Mitbewohnerin) einen erhöhten Alkoholkonsum feststellst und du dir sicher bist, dass aus Gründen getrunken wird, die besser nicht mit Alkohol “vergessen” werden sollten – Du solltest zuerst das offene Gespräch mit dem Betroffenen suchen.

Das Problem dabei ist jedoch, dass die meisten alkoholkranken Menschen auf ein solches Gespräch aggressiv reagieren und ihre Sucht abstreiten und dir letztlich Vorwürfe machen: “Was geht dich das an?”, “Warum mischst du dich in mein Leben ein?”, “Wie bitte, ich trinke doch nur am Wochende!” oder auch “Du bist doch auch manchmal besoffen!”

Auch wenn es nach einem Stereotyp klingt: Diese Abwehrhaltung kann ein Zeichen für die Alkoholabhängigkeit deines Mitbewohners sein. Es kann auch bedeuten, dass du deinen Mitbewohner auf dem falschen Fuß erwischt hast und tatsächlich alles in Ordnung ist (obwohl Alkoholkonsum natürlich immer fragwürdig ist).

…Alkohol ist ein Destillat

Am häufigsten sind in der Altersklasse 18-30 die sogenannten “Spaßtrinker” vertreten. In Wohngemeinschaften leben meist Menschen derselben Altersstufe, daher finden sich in WGs oftmals sehr trinkfreudige Mitbewohner. Die Grenze zwischen regelmäßigem (= krankhaftem) Alkoholkonsum und einem sporadischen Ich-mache-heute-mit-meinen-Kumpels-einen-drauf-Konsum ist nicht leicht zu erkennen.

Vermehrter Alkoholkonsum lässt sich anhand der Symptome nicht unbedingt zu 100% als Sucht definieren, wohl aber die aus dem Alkoholkonsum entstehenden Konsequenzen. Zum Beispiel:

  • Dein Mitbewohner ist aggressiver als sonst
  • Dein Mitbewohner ist unordentlicher als sonst
  • Dein Mitbewohner ist vergesslicher als sonst
  • Dein Mitbewohner ist häufiger allein als sonst
  • Dein Mitbewohner schwänzt Schule, Uni und Job

Falls diese Konsequenzen auftreten, während du den Verdacht hast, dass der betreffende Mitbewohner zu viel trinkt, dann könntest du mit deiner Vermutung richtig liegen. Hier besteht akuter Handlungsbedarf, bei dem du jedoch niemals vergessen solltest, dass du im Zweifeln nicht für den Alkoholkranken verantwortlich bist!

Deine Verantwortlichkeit besteht darin, mit deinem Mitbewohner zu sprechen und ihn – falls er oder sie es nicht selbst erkennen – auf sein Problem hinzuweisen. Die wenigsten Alkoholiker (auch diejenigen, die vormals deine Freunde waren) reagieren darauf vernünftig, denn ihre Sucht hat bereits Ursprünge, die auf Verdrängung, Angst und Wut basieren!

Dein Mitbewohner braucht (professionelle) Hilfe

In Wirklichkeit ist der vermehrte Alkoholkonsum bereits eine Reaktion auf ein anderes, tiefer liegendes Problem. Meist handelt es sich um Probleme, die du nicht lösen kannst.

Wenn Liebeskummer der Grund für regelmäßige Besäufnisse ist, dann kannst du sicherlich helfen, indem du andere “Verdrängungstaktiken” vorschlägst und den Betroffenen dabei begleitest.

In den meisten anderen Fällen jedoch solltest du versuchen, deine eigene Haut zu retten und anderweitig Hilfe einzuschalten.

Ob das nun der Anruf bei Eltern, Verwandten, Freunden, etc. des Betroffenen ist oder ein Hinweis auf Alkoholismus bei Polizei, Krankenhäusern, Ärzten, etc spielt keine Rolle: Hauptsächlich geht es darum, sowohl dem Mitbewohner als auch dir selbst aus dieser Situation herauszuhelfen!

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Bild CC 2.0 – phogel / flickr

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