WG Erfahrung (Annabel, 3er WG, Heidelberg)

19. November 2010 / wg-ratgeber.de

Eine Blutelfe winkt dir zu. Willst du mitspielen?WOW. Damit meine ich nicht ein Wort als Ausdruck meiner Freude, sondern das Spiel World of Warcraft. In meiner letzten WG Erfahrung spielte dieses sogenannte MMORPG eine besondere und ausschlaggebende Rolle, denn meine zwei Mitbewohner waren neben ihrem Studium hauptsächlich damit beschäftigt, ihre Blutelfen auf Level 80 zu befördern! Vorweg: Ich bin ausgezogen, aber aus anderen Gründen.

Das wunderschöne Azeroth

Ursprünglich hatte ich mich nur darüber gewundert, dass meine zwei Mitbewohner ein Computerspiel so ausgiebig (ich könnte das fast schon besessen nennen) spielen, obwohl sie eigentlich in der Uni genug zu tun haben.

Ich wusste schon bei meinem Einzug, dass World of Warcraft eines ihrer Hobbies ist, denn bei meiner ersten Besichtigung der WG lag ein Handbuch zum Spiel auf dem Tisch in der WG Küche. Darin habe ich kurz geblättert und meiner erster Eindruck war: Hübsch, aber nichts für mich!

Tja, die zwei waren stets freundlich zu mir, wenn wir uns gesehen haben. Und das ist der springende Punkt. Wir haben uns nie gesehen. Zwar komme ich auch gut alleine klar, aber die eigenen Mitbewohner nur ein bis zwei Mal in der Woche zu sehen, fand ich doch etwas befremdlich.

Heidelberg ist eine schöne Stadt und auch unsere Wohngemeinschaft fand ich schön – meine Mitbewohner fanden Azeroth (so heißt die Spielwelt, habe ich mir sagen lassen) jedoch noch schöner. Auch die Berufe im Spiel waren scheinbar reizvoller als reale Tätigkeiten.

Kochfähigkeiten auf Stufe 225 bringen

Ich bekam bei meinem einsamen Frühstück nämlich ein kurzes Gespräch in der Küche mit, in welchem es um Kochfähigkeiten ging: Freudig horchte ich auf und wollte eigentlich einen gemeinsamen Kochabend vorschlagen, aber da waren die zwei schon wieder verschwunden.

Als ich weiter allein an meinem Brot kaute, blätterte ich wieder in dem Handbuch für WOW und schlug zufällig eine Seite auf, in der die Fähigkeiten der Spielfigur aufgelistet waren; Kochen war auch dabei und ich wusste, was vor ein paar Minuten gemeint war…

In der realen Welt gibt es Dreck?

Während mich das ständige Spielen und WOW-Gelaber kaum störten, fand ich den Zustand unserer Wohnung von Tag zu Tag beunruhigender. Scheinbar hatten die zwei vor meinem Einzug gründlich saubergemacht, damit ich nicht abgeschreckt werde – Ein paar Wochen später jedoch ist mir aufgefallen, dass ich stets die einzige Bewohnerin war, die Staub wischte, putzte und aufräumte.

Als ich meine Mitbewohner (Sally und Jonas) darauf ansprach, reagierten sie unerwartet freundlich und meinten einfach, ihnen würde das garnicht auffallen. Wir konnten sogar einige WG-Verträge aushandeln, damit ich mich wohler fühlen kann. Auch ein Putzplan wurde erarbeitet und wundersamerweise haben sich alle daran gehalten!

Dennoch habe ich mich nach nur zwei Monaten für eine andere Wohngemeinschaft entschieden. Es war eine interessante Erfahrung, zwei “Spieler” zu beobachten und mit ihnen zusammen zu leben. Ich studiere übrigens Psychologie an der Uni Heidelberg und habe mich prompt für das Thema “World of Warcraft – Eine andere Realität” als nächste Hausarbeit entschieden.

Insgesamt kann ich meine WG Erfahrungen gelassen betrachten, da es keine wirklichen Probleme gab. Jonas und Sally haben mich akzeptiert und ich habe die beiden akzeptiert. Lediglich unsere Ansichten von Realität & Co. gingen so weit auseinander, dass sich zwangsläufig auch unsere Wege trennen mussten.

Nachwort zu Annabel’s WG Erfahrung

Mittlerweile wohnt Annabel in einer 2er WG, zusammen mit einer Künstlerin, die scheinbar noch nie etwas von World of Warcraft gehört hat. Wir bedanken uns für die aufschlussreiche Schilderung ihrer Erlebnisse und wünschen ihr viel Glück in deiner neuen Wohngemeinschaft.

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