WG Erfahrung (Benjamin, 6er WG, Bonn)

28. September 2010 / wg-ratgeber.de

Die Anonymität - Vorteil oder Nachteil?Bei meinem Einzug in diese für meinen Geschmack riesige Wohngemeinschaft wurde ich von zwei Leuten überhaupt nicht begrüßt. Das lag daran, dass sie gerade ein Auslandssemester hinter sich brachten. Trotzdem: Im Zeitalter von Facebook & Co. hätte ein kurzes Digital-Hallo mich trotzdem gefreut. Die 6er WG in Bonn sehe ich mittlerweile nach fast einem Jahr zwiespältig.

Je mehr Mitbewohner, desto…

Tja, ich weiß nicht, was die Konsequenz ist. Einerseits ist man noch eingeengter als in anderen WGs, andererseits ist man weitestgehend anonym, vor allem, wenn einzelne Mitbewohner auf Reisen sind und ihre Zimmer an wiederum “fremde” Menschen vermieten.

Ich habe in meiner bisherigen Zeit in dieser 6er WG immerhin sieben verschiedene Untermieter kennengelernt. Manche waren nett, andere fand ich unsympathisch. Letztlich zählt jedoch die Stimme der Mehrheit in einer so großen Wohngemeinschaft. Wir haben sogar zwei gemeinsame Kühlschränke, für den interessante Regeln festgelegt wurden (die würden jedoch den Rahmen sprengen).

Kurz gesagt: Es ist immer voll und doch fühle ich mich wie die Menschen auf dem Bild oben. Verschwommen, unwirklich und austauschbar, da nicht bekannt. Wir sind vier männliche Mitbewohner und momentan zwei Frauen. Manchmal weiß ich nicht so genau, wer eigentlich zu meinem Mitbewohnern gehört, wer Untermieter ist und wer die Besucher.

…desto stressiger wird mein Leben.

Über mangelnde Action können wir uns jedenfalls nicht beklagen, da ständig jemand feiern möchte, die Küche versaut oder den Putzplan wieder einmal verschläft. Es wird viel diskutiert und wenig erreicht. Immer wieder verfällt man in Muster. Jeder bleibt am Ende für sich.

Bei den seltenen Gesprächen “unter vier Augen” kommt es mir so vor, als würden auch meine Mitbewohner die WG eher als ZG (= Zweckgemeinschaft) ansehen. Immerhin sparen wir eine Menge Geld, weil wir uns die Nebenkosten teilen!

Momentan überlege ich, ob ich nicht doch lieber allein wohnen möchte. Da bin ich ebenfalls anonym, muss jedoch nicht den ganzen Stress ertragen, den eine so volle Wohngemeinschaft scheinbar zwangsläufig mit sich bringt.

Nachwort zu Benjamin’s WG-Erfahrung

Laut eigener Aussage sucht Benjamin momentan tatsächlich nach einer anderen Wohnung, er möchte wieder allein wohnen. Wir bedanken uns für diesen Erfahrungsbericht und wünschen dir, Benjamin, viel Glück bei deiner Wohnungssuche!

Bild CC 2.0 by Victoria Peckham / flickr

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