WG Erfahrung (Max, 2er WG, Berlin)

12. August 2010 / wg-ratgeber.de

Berliner U-Bahn (Abbildung ähnlich)Oh Gott, wo soll ich anfangen? Meine vorerst letzte WG Erfahrung hatte ich vor wenigen Monaten in Berlin in einer eigentlich ganz schnuckeligen 2er WG mit tollen Anbindungen, einem Riesenwohnzimmer und einem ursprünglich total netten und kreativen Mitbewohner. Witzigerweise hieß er auch Max; Wir hatten uns in einer Kunstausstellung unterhalten. Wir beide sind Künstler. Er war Künstler, soweit ich das beurteilen kann.

Nach unserem Einzug in die Wohnung ging alles gut: Für circa zwei Wochen. Manche finden es bestimmt lächerlich, aber ich konnte zwei Dinge auch nach so kurzer Zeit nicht mehr ertragen: Erstens seine Schweißfüße und zweitens den regelmäßigen und ungezügelten Alkoholkonsum.

Als Künstler bin ich viele Absurditäten gewohnt und möchte mich auch nicht von Fehlern oder Marotten freisprechen… Aber so ekelhaft kann man sich nicht verhalten, wenn man mit jemandem zusammenlebt.

Auf die unangenehmen Einzelheiten möchte ich nicht weiter eingehen, sondern jedem anderen Künstler klipp und klar sagen: Pass auf, wenn du dich mit Künstlern zusammentust! Die sind total verrückt.

Alles ist Kunst, ganz natürlich

Jetzt muss ich doch auf eine Einzelheit näher eingehen, die den Wahnsinn deutlich macht. Die erwähnten Schweißfüße wurden von diesem Vollzeitalkoholiker tatsächlich als Kunst bezeichnet! Er meinte, es handle sich um ein scheinbar extraordinäres Exemplar “fußschweißbildungsfähiger Fuß” – Er bestand darauf, dass ich das anerkannte. Wenn ich protestierte, wurde er aggressiv.

Ich hatte mich eigentlich auf das Zusammenleben mit einem Gleichgesinnten gefreut, um eventuell neue Inspirationen für meine Bilder zu bekommen. Pustekuchen. Er gammelte den ganzen Tag vor sich hin und zelebrierte seine Füße. Es muss ein Autofetischismus gewesen sein…

Zu seiner “Kunst”: Er hatte sich mir als Künstler vorgestellt und sich ebenfalls sehr über unser zufälliges Treffen gefreut. Bei diesem Treffen in der erwähnten Kunstausstellung meinte er, er sei Schriftsteller. Gedanklich hob ich interessiert die Brauen, ließ mir jedoch nichts anmerken.

Künstlich, nicht künstlerisch

Das Verrückte: In den drei Monaten, die es dort ausgehalten habe, hat er nicht ein einziges Mal einen Stift in der Hand gehabt. Er lag auf unserer Couch und trank Bier, stets barfuß und süffisant grinsend, wenn er merkte, dass er mir auf die Nerven ging.

Es war eine Verwandlung von einem Moment auf den anderen. Zuletzt erschien er mir sadistisch und wirklich krank.

Zum Glück konnte ich mit unserem Vermieter ein seperates Sonderkündigungsrecht aushandeln, sonst hätte nicht mehr viel zu einem eklatanten Zusammenstoß von Max und Max gefehlt!

Nachwort zu diesem WG-Erfahrungsbericht

Max (der ohne Schweißfüße) lebt momentan wieder in seiner früheren Wohnung, weil sein damaliger Mitbewohner zu faul war, das freie Zimmer neu zu vermieten. Er hatte auch damit Glück im Unglück.

Wir bedanken uns für den aufschlussreichen Erfahrungsbericht und drücken dir die Daumen, dass die nächste WG ein Volltreffer wird!

Bild CC 2.0 by Walter Wilhelm / flickr

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